Workshop
Das Gedächtnis der Transformation. Lebensgeschichte und Zeitzeugenschaft in Sachsen-Anhalt
5./6. November 2026, Industrie- und Filmmuseum Wolfen
in Kooperation mit dem Landesheimatbund Sachsen-Anhalt, dem Institut für Landesgeschichte am LDA Sachsen-Anhalt, der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt und dem Industrie- und Filmmuseum Wolfen
Angesichts politischer Problemlagen der jeweiligen Gegenwart wird in verschiedenen Konjunkturen, aber insbesondere seit den 1990er Jahren regelmäßig der Ruf nach einer Intensivierung der Befragung von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen laut. Die Geschichtswissenschaft hat von diesem hohen öffentlichen Interesse an Zeitzeugenschaft einerseits profitiert und wichtige Studien mit lebensgeschichtlichen Quellen produziert. Andererseits sind wichtige Arbeiten entstanden, die sich der Historisierung des Phänomens der Zeitzeugenschaft widmen. Anknüpfend an diese Forschungen geht es bei dem Workshop um eine systematische Historisierung von Zeitzeugenschaft und Interviewerhebungen in den DDR-Bezirken Magdeburg und Halle sowie in Sachsen-Anhalt. Im Mittelpunkt steht die Frage nach den Entstehungsbedingungen, den Generierungspraktiken und den Authentifizierungs- und Auratisierungsstrategien von Zeitzeugenschaft und sozialwissenschaftlichen Primärquellen in der Geschichte des Landes angesichts tiefgreifender ökonomischer Umstrukturierungsprozesse. Das historische Phänomen erstreckt sich von der Befragung von Arbeiterveteranen in der DDR über die sozialwissenschaftliche Transformationsforschung bzw. die geschichtswissenschaftliche Interviewerhebung der 1990er Jahre bis hin zu zivilgesellschaftlichen Erhebungsprojekten, etwa durch die Gewerkschaften, im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen oder am Haus der Alltagsgeschichte in Wittenberg. Der Workshop dient zunächst dazu, einen Überblick über die im Land verlorenen sowie noch vorliegenden lebens- und erfahrungsgeschichtlichen Interviewbestände und zur Breite des historischen Phänomens der Zeitzeugenschaft in landeshistorischer Perspektive zu erhalten. Darüber hinaus soll mit einem wissensgeschichtlichen Ansatz nach den Entstehungsbedingungen, den Aufnahme-, Aufbereitungs-, Aufbewahrungs- und Nutzungspraktiken gefragt werden. Zudem sollen Perspektiven der Sicherung, Aufbereitung und Sekundärnutzung diskutiert werden.
Willkommen sind also Beitragsvorschläge, die sich den folgenden Themen und Fragen widmen:
- Konkrete Interviewbestände und -projekte, als Best-Practice-Beispiele gern auch aktuell laufende Zeitzeugenprojekte
- Wissenschafts- und wissenshistorische Perspektiven auf die Geschichte der empirischen Transformationsforschung und der lebensgeschichtlichen Forschung in der DDR und den Transformationsjahren
- Überlegungen zu Sicherung, Aufbereitung und Sekundärnutzung von erfahrungsgeschichtlich auswertbarem Quellenmaterial
Wir bitten um Einreichungen von Themenvorschlägen im Umfang von 300 Wörtern und eine biographische Notiz bis zum 1. September 2026 an Oliver Ritter,
Der Workshop wird organisiert vom Arbeitskreis Zeitgeschichte der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt: Dr. Daniel Bohse, Johanna Hohaus, Dr. Jan Kellershohn, John Palatini, Maik Reichel, Sven Sachenbacher, Justus Vesting und Dr. Isabell Schmock-Wieczorek.
Für Rückfragen steht Dr. Daniel Bohse zur Verfügung,
Einladung und Programm werden Mitte September versandt.

